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Musik

Wird die E-Gitarre aussterben?

Stagnierende Absätze und jammernde Gitarrenhersteller. Ist die E-Gitarre am Ende?

Schon seit einiger Zeit hört man in den Wirtschaftsnachrichten immer wieder: "Das Ende der E-Gitarre ist nah und nur noch eine Frage der Zeit!" Die Jugend sei nicht mehr interessiert, Gitarre zu spielen, weil ihr die Vorbilder fehlen, welchen die Väter – teilweise sogar noch die Grossväter – nachgeeifert haben. Dieser Umstand und die sinkenden Absätze bei den beiden grössten Gitarrenherstellern Gibson und Fender reicht vielen als Beweis aus, dass die Gitarre als Instrument ausgedient hat. Doch ist das wirklich so? Das renommierte «Rolling Stone»-Magazin machte sich auf Ursachensuche und fand heraus: Die Gitarre ist zwar nicht mehr so beliebt wie noch zu Beginn des Jahrtausends aber aussterben wird sie nicht.

Für seinen Bericht interviewte der «Rolling Stone» zahlreiche Gitarrenhändler, unter anderem in Salzburg und in der weltberühmten Denmark Street in London. Die Meinungen gehen in eine ähnliche Richtung, wie ein Artikel der «Washington Post» vom Juni, die Absätze und das Interesse sind zurückgegangen aber das liegt nicht nur an der E-Gitarre selbst. Zwar gebe es immer weniger Gitarrenhelden, denen die Jugend nacheifert, da Rap und EDM die Rockmusik an Beliebtheit überflügelt haben, aber die Kundschaft habe sich auch verändert. Viele setzen beim Kauf einer Gitarre lieber auf unpersönliche Webshops und einige der befragten Händler sehen das Problem auch bei den Gitarrenherstellern selbst, die versuchen ein über 60-jähriges Erfolgsrezept zu ändern. Gibson beispielsweise griff mit sich selbst stimmenden Gitarren mächtig daneben, da Gitarristen meistens Puristen sind und das Stimmen einer Gitarre gehört einfach dazu.

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Der Wandel der beliebtesten Musikstile hätte auch damit zu tun, dass ein Teenager heute lieber auf dem Tablet oder dem Smartphone herumdrückt, als sich die Fingerkuppen an den Stahlsaiten einer Gitarre zu ruinieren. Früher hätte er vor Weihnachten 20 Gitarren-Starter-Sets auf Lager gehabt, sagte Michael Steinitz aus Salzburg, heute sind es noch drei und auf zweien bleibe er sitzen. Dafür haben Künstler wie Ed Sheeran oder Mumford & Sons den Absatz von akustischen Gitarren angekurbelt, was das Geschäft mit den E-Gitarren ausgleiche.
Ben Hall, Sohn des Firmenchefs der Gitarrenmarke Rickenbacker, findet es indes gar nicht schlecht, wenn die Fussstapfen kleiner werden, in denen sich die Gitarre die letzten sechs Jahrzehnte bewegt hat. Die Geschichte der Gitarre werde dann von neuem anfangen und seiner Meinung nach ist der Brunnen noch lange nicht ausgetrocknet.

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